"Nun lieb sie doch!"

Halb zog sie ihn, halb sank er hin…

Dass in unserer Gemeinde großes Interesse für Theater und Komödie angesiedelt ist, konnte jeder an dem Zuspruch für die Aufführung der Theatergruppe „Die Sensoren“ von der Rostocker Kunstschule ARThus mit ihrem Boulevardstück „Nun lieb sie doch“ am 28. Januar in der Kulturscheune erleben. „Ausverkauft“ hieß es quer über das Werbeplakat längs der B105. Um 14.00 Uhr kamen die ersten Zuschauer. 15.30 Uhr begann die Vorführung. Dazwischen wurde geplaudert und dem angebotenen Kuchen und der Tasse Kaffee zugesprochen. Was dann in der Kulturscheune über die Bühne ging, war die Allerweltsgeschichte eines Witwers namens Alex Wagner - Doktor der Gynäkologie (gespielt von Bernd Laugenberg) -, der sich ein Jahr nach dem Tode seiner Frau so langsam aber sicher als alternder Hagestolz in seine vier Wände zurückgezogen hatte. Das bekümmerte den Sohn (Jens Wegener), aber die Verstorbene hatte diese Entwicklung wohl vorausgesehen und Vorsorge getroffen. Auf einem Zettel, den sie ihrer Freundin Julia (Gisela Scholz) hinterließ, hatte sie drei Namen geschrieben, die sie alle als ihre Nachfolgerinnen ihrem Alex ans Herz legte. Doch was muss dieser Alex für ein Ehemann gewesen sein, dass sie sich so bitter an ihm rächen wollte! Denn eine Empfohlene war schlimmer als die andere und die dritte sogar ein Mann! Luise Schnittholz (Helga Wiebenhütter) geisterte als esoterische Alte über das Sofa des Herrn Doktor, um ihn in den Wahn zu versetzen, er würde seine Höhenangst verlieren, sobald er glaube, auf dem Leipziger Völkerschachtdenkmal zu stehen und in die Tiefe zu springen. Gut, von der Couch bis zur Erde waren es nur ein paar Zentimeter, aber die reichten, um dem Höhenängstlichen eine mächtige Beule zu verpassen. Auch die nächste Dame schien aus dem Inventar des verstorbenen Rachengels entsprungen und hieß dann auch noch Susanne Teufel (Ingrid Liebig). Sie entpuppte sich als verklemmte Emanze mit Feminismustick und brachte den arg gebeutelten Witwer sogar Gefängnis ein. Uli Hausmann (Brigitta Hoppe) war dann letztlich der Transvestit und wohl die schlimme Pointe dieses „Damen“-Triumvirats. Zwischen diesen Frauen drängelte sich manchmal etwas Spaß durch die Kulissen – ansonsten hatte alles die Komödienqualität eines leicht vorhersagbaren ABCs, das irgendwann bei dem Buchstaben Z endet. Hier war das „Z“ jene Freundin Julia, die sich den Witwer letztlich angelte. Halb zog sie ihn, halb sank er hin, was auch zu der Inszenierung von Christine Domisch gesagt werden muss.

Wolfgang Dalk

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