Lesung von Stefan Kreibohm

Kreibohm-Lesung: Leicht, locker, humorvoll, interessant undverblüffend!

Es gab doch sorgenvolle Stimmen, die da warnten. Lesung?Übers Wetter? Na gut, alle sprechen über das Wetter, aber wollen alle zu einerBuchlesung kommen, die dem Wetter gilt?DieLesung am 15. Oktober war ausverkauft! Die Kulturscheune voll gestopft mitgroßen Erwartungen. Die gleich mit einem großartigen Einstieg auf die rechten Bahnengelenkt wurde. Stefan Kreibohm, der NDR-Wettermann mit dem Schwiegersohn-Charmeund der ewig jugendlichen Ausstrahlung eines pfiffigen Scherzkekses, griffgleich in die Humorkiste. Zu oberst lag unter anderem ein Zeitungsartikel ausder Schweriner Volkszeitung mit wunderbarem DDR-Touch, in dem sich Propagandaund Fehlinformation die Hände reichten. Von einem Stefan Kreibohm als„Wahlkind“ war die Rede. Denn das Kind wurde an einem der DDR-Wahltage geboren.Nur dass eben das genaue Geburtsdatum nicht stimmte und der Mutter Worte in denMund gelegt worden sind, die sie nie gesagt hatte.Wer so witzig seine Lesung beginnt, dem hängen die Zuhörerinnen undZuhörer an den Lippen. Im Gewand einer solch mysteriösen Zeitungmeldung bzw.Zeitungsente nehmen dann die wirklichen Lebensdaten des 1970 geborenenParchimers Fahrt auf. Das hörtsich dann so an: „Als Sohn der Arbeiterklasse (Vater war Schlosser) und der Intelligenz (Mutter Kindergärtnerin) kamich am sonnigen Morgen des ehemaligen 20. März in Parchim - ehemals Mecklenburg- nun ehemals Bezirk Schwerin und nunigem Mecklenburg-Vorpommern (Mc.Pomm) in derEx-Deutschen Demokratischen Republik auf die sozialistische Welt. Ausanfänglichen 52 cm Körperhöhe wurden - und das ist erstaunlich - auchohne Bananen, Hanuta und Milchschnitten noch gute 175 cm“. Großes Gelächter undnoch größere Bereitschaft, in solcher Art weiter unterhalten werden zu wollen.Von seiner Person weg leitete dann Stefan Kreibohm zu seinem Wetter hin. Dabeierweist er sich als kluger Entertainer, der frei ist von jedweden festgefügten Ritualen,die ansonsten Lesungen begleiten. Er ist zum Wohle der Zuhörer einFormenignorant – Tisch, Stuhl, hinsetzen, lesen: gibt es für den eifrigenErzähler nicht. Er wuselt auf der Bühne als Bilderstürmer – mit Beamerbesattelt, gestattet er seinen Zuhörern verblüffende Einblicke in seinmeteorologisches Tun. Er ist ein Tabubrecher, denn jenseits eines belanglosenBoulevard-Gesabbels stellt er sein Buch „Kreibohms Wetter! Sonne, Regen und dieKunst der Vorhersage“ vor, wobei er den Mut hat, populärwissenschaftlich zu bleiben, aber auchwissenschaftlich auszuholen. Ganz gleich, ob er über komplexeWetter-Entstehungen spricht oder über das Zusammenspiel der Faktoren, dieletztlich ein aktuelles Wetter ausmachen, oder sich über die Seriositäternstzunehmender Prognosen für morgen oder übermorgen ausbreitet oder ob er daskuriose Ratespiel selbsternannter Wetterpropheten für den nächsten Winterbelächelt, er nimmt‘s mit Humor und einem kleinen Augenzwinkern. Alle Wetter! –er hat das Zeug dazu, unterhaltsam über Hochs und Tiefs zu sprechen,Auswirkungen des skandinavischen Gebirges auf unsere Wolken, unseren Sturm,unseren Regen zu beleuchten, Schafskälte zu erklären und den Siebenschläfer zuumreißen. Dazwischen immer kleinere und größere persönliche Einsprenkelungen,erläuternde Fotos und locker hingestreute Hinweise auf Wetterphänomeneunterschiedlichster Fasson. „Das hat mich begeistert, was Stefan Kreibohm hiergeboten hat“, sagt Wolf Peters, der extra mit Frau und Freuden aus Gresenhorstangereist ist, um bei der Lesung dabei zu sein. Siegfried Fügenschuh ausAdmannshagen schließt sich an, „Ich bin sehr angetan von der Lesung und werdewohl sein Buch kaufen. Interesse ist angeregt. Aber genauso bin ich angetan vonden Aktionen des Kulturvereins und der Anlage dieser Kulturscheune. Ich kommegern wieder.“

Wolfgang Dalk

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